Legasthenie

Legasthenie (Lese-Rechtschreibstörung) gehört zu den Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten. Speziell ist damit eine Entwicklungsstörung im Lesen und im Rechtschreiben gemeint, die nicht auf mangelnde Beschulung, niedriger Intelligenz oder fehlender Lernbereitschaft zurückzuführen ist. Diese Störung kann erworben oder vererbt sein und begleitet den Betroffenen oft bis ins Erwachsenenalter.

Durch mangelnden Kenntnisstand in Kindergärten, Schulen, bei Medizinern und Therapeuten und bei Unwissenheit der Eltern erlangen die Kinder oft nicht den ihren Fähigkeiten entsprechenden Schulabschluss oder ein angemessenes Berufsziel. Bei einer früh einsetzenden umfassenden medizinischen/ psychologischen Diagnostik und der sich daraus ergebenden Förderung ist es aber sehr wahrscheinlich, dass die Kinder und Jugendlichen den Schul- und Berufsalltag gut meistern können.

Im Folgenden finden Sie einige Merkmale von Lese- und Rechtschreibstörungen. Wichtig dabei ist festzuhalten, dass nicht jede „schlechte“ schulische Leistung im Bereich Schreiben und/oder Lesen gleich einer Legasthenie entspricht. Es gibt klar umrissene Festlegungen, wann man nach international anerkannten Kriterien von einer Lese-Rechtschreibstörung sprechen sollte. „Legasthenie“ als Begriff hat dabei in der Pädagogik und der Psychologie bzw. Kinder- und Jugendpsychiatrie eine sehr wechselvolle und auch sehr verwirrende Geschichte. Wir benutzen den Begriff „Legasthenie“ sehr bewusst, um damit hervorzuheben, dass es sich um eine sehr schwere und chronische Störung handelt.

Merkmale Rechtschreibstörung

  • die Spontanschreibung ist massiv fehlerbehaftet. Oft werden Buchstaben ausgelassen, verdreht oder hinzugefügt
  • Fehlerinkonstanz – d.h. Wörter werden immer wieder mit unterschiedlichen Fehlern geschrieben
  • Fehler treten auch beim mündlichen Buchstabieren auf
  • richtiges Schreiben geübter Wörter vor Klassenarbeiten ist möglich; oftmals werden dann aber die sog. „leichten“ Wörter falsch geschrieben
  • hohe Fehlerzahl beim Abschreiben von Texten
  • Schwierigkeiten von der ersten Klasse an
  • häufiges Üben führt nicht zu besseren Leistungen

Merkmale Lesestörungen

  • Schwierigkeiten, Buchstaben korrekt zu benennen
  • schlechtes Zusammenschleifen der einzelnen Buchstaben
  • Auslassen, Ersetzen, Verdrehen von Worten
    Ersetzen von Wörtern durch ein in der Bedeutung ähnliches Wort
  • niedrige Lesegeschwindigkeit
  • Vertauschen von Wörtern im Satz
  • kein sinnentnehmendes Lesen, keine Wiedergabe des Gelesenen, keine Schlussfolgerungen aus dem Gelesenen
  • Schwierigkeiten von der ersten Klasse an: z.B. Anlautunterscheidung
  • häufiges Üben führt nicht zu besseren Leistungen

Dies sind jetzt die wichtigsten Merkmale

einer Legasthenie. Es ist aber immer wieder wichtig zu betonen, dass es „die“ Legasthenie nicht gibt, sondern dass bei jedem möglicherweise betroffenen Kind genau fachlich hingeschaut werden muss. Das bedeutet insbesondere, dass für eine „endgültige“ Diagnose erfahrene Fachleute herangezogen werden müssen. Am besten erscheint hier eine Kombination von Kinder- und Jugendpsychiater und einem im Bereich der Lese-Rechtschreibstörung erfahrenen Diplom-Psychologen.

Wichtig bei der Diagnostik sind:

  • es wird eine individuelle differenzierte Intelligenzdiagnostik durchgeführt
  • es werden fachkundig Lese- und Rechtschreibtests durchgeführt- dies betrifft insbesondere die Aktualität der Normen
  • es ergibt sich im Rahmen dieser Testdiagnostik eine sehr bedeutsame Diskrepanz zwischen dem (allgemeinen) intellektuellen Niveau des Kindes und seinem Entwicklungsstand im Lesen und Schreiben
  • schulische Informationen über die Entwicklung von Lese- und Rechtschreibfertigkeiten sollten bei dieser Diagnostik miteinbezogen werden
  • es wird eine ausführliche Anamnese in einem ausführlichen Gespräch mit den Eltern, mit dem Kind selber und anderen wichtigen Bezugspersonen erhoben (mit „Anamnese“ ist also die gründliche Erfassung der gesamten Vorgeschichte des Kindes incl. seiner Schwierigkeiten und seiner Stärken gemeint)
  • unkorrigierte Defizite im Sehen und im Hören werden fachärztlich ausgeschlossen
  • andere neurologische oder psychiatrische Störungen werden ebenfalls als Ursache für die vorliegenden Lese- und Rechtschreibprobleme ausgeschlossen

Startseite